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Das Schwartz-Wertemodell

Warum Werte in einem Kreis liegen, warum manche von ihnen nicht gleichzeitig gewinnen können und wie du die Rangliste deines Klienten mit dem kulturübergreifenden Durchschnitt vergleichst.

In het kort

  • Zehn Wertefamilien, im Kreis angeordnet; Nachbarn teilen eine Motivation, gegenüberliegende Familien stehen per Definition im Konflikt. Das metaFox-Kartenset nutzt neun davon.
  • Zwei Achsen tragen den Großteil der Spannung: Offenheit für Neues ↔ Bewahrung und Transzendenz ↔ Selbsterweiterung.
  • Schwartz selbst sagt, dass Werte ein Kontinuum bilden; die Aufteilung in zehn ist nach seinen Worten eine willkürliche Vereinfachung.
  • Die Struktur wurde in 82 Ländern bestätigt; jeder der zehn Werte lässt sich in mindestens 90 % der Stichproben klar abgrenzen.
  • Es gibt einen kulturübergreifenden Durchschnitt: Fürsorge, Universalismus und Selbstbestimmung stehen fast überall weit oben, Macht und Stimulation weit unten. Macht als Top-Wert ist eine Information; Fürsorge als Top-Wert meistens nicht.

Ein Klient nennt Freiheit und Sicherheit in einem Atemzug, hört sich selbst dabei zu und entschuldigt sich dafür, so widersprüchlich zu sein. Er ist nicht widersprüchlich. Die beiden liegen auf gegenüberliegenden Seiten eines Kreises, der in 82 Ländern vermessen wurde, und die Spannung zwischen ihnen ist genau das, was diese Struktur beschreibt.

Dieser Kreis ist Shalom Schwartz' Theorie grundlegender menschlicher Werte. Sie definiert einen Wert als ein Ziel, das über einzelne Situationen hinausreicht, von Mensch zu Mensch unterschiedlich wichtig ist und im Leben als Leitprinzip wirkt. Dir als Coach gibt sie einen Weg, die Liste zu lesen, die dein Klient schon gemacht hat.

1Großzügig auswählen
2Auf wenige Top-Werte kürzen
3Den Kreis lesen
4Mit der Spannung arbeiten

Was hier als Wert gilt

Drei Merkmale aus Schwartz' Definition sind im Coaching direkt brauchbar.

Werte gelten über Situationen hinweg. Das unterscheidet einen Wert von einer Einstellung oder einer Norm: Eine Einstellung bezieht sich auf ein bestimmtes Objekt, ein Wert zeigt sich bei der Arbeit, zu Hause und im Urlaub.

Ihr Einfluss ist selten bewusst. Werte tauchen auf, wenn eine Entscheidung zwei von ihnen gleichzeitig berührt und beide in verschiedene Richtungen weisen. Die meiste Zeit laufen sie still im Hintergrund. Deshalb bekommst du auf ein unvermitteltes „Was ist dir wichtig?“ eine Stellenbeschreibung zur Antwort. Sortiert dein Klient die Karten dagegen an einer echten Weggabelung, kommt etwas Wahres heraus.

Was Verhalten steuert, ist die relative Wichtigkeit mehrerer Werte zugleich, nie ein einzelner Wert für sich. Deshalb bringt eine Werteübung die Werte in eine Rangfolge, statt jeden einzeln zu bewerten. Zehn Werte, die alle „sehr wichtig“ sind, sagen dir nichts.

Noch eine Unterscheidung, weil sie im Gespräch mit Klienten viel klärt: Persönlichkeitsmerkmale beschreiben, wie jemand ist; Werte beschreiben, was jemand für wichtig hält. Man kann Kreativität schätzen, ohne besonders kreativ zu sein. Ein Wert wird gewählt, nicht gemessen.

Die neun Wertefamilien im metaFox-Wertekreis

Offenheit für Neues

Stimulation (Neues, Aufregung, sinnliches Erleben) und Selbstbestimmung (Autonomie, eigenes Handeln, die Freiheit zu erkunden). Beide teilen Orangetöne, unterscheiden sich aber: Stimulation lebt von Aufregung, Selbstbestimmung von Freiheit und Authentizität.

Transzendenz

Universalismus (der Blick aufs große Ganze und die Sorge ums Gemeinwohl) und Fürsorge (Zuwendung zu den Menschen, die dir nahestehen). Beide richten sich nach außen: der eine auf die Welt, der andere auf die Menschen in deiner Reichweite.

Selbsterweiterung

Vergnügen, Erfolg und Macht: Genuss, gezeigte Kompetenz und Kontrolle über Menschen oder Ressourcen. Diese Werte dienen eher persönlichen als gemeinsamen Interessen.

Bewahrung

Sicherheit und Konformität: Schutz, Stabilität und Zurückhaltung bei allem, was andere verärgern oder soziale Erwartungen verletzen könnte.

Schwartz' eigenes Modell hat zehn Familien. Die zehnte ist Tradition. Das metaFox-Kartenset ordnet Karten mit traditionellem Bezug der Sicherheit und der Konformität zu und nennt Hedonismus Vergnügen. Diese Abkürzung verstecken wir nicht: Schwartz selbst nennt die Aufteilung in zehn eine willkürliche Vereinfachung und sagt, man könne das Kontinuum je nach Zweck feiner oder gröber unterteilen. Wir haben uns für neun Familien entschieden.

Die gedruckte Version sind die „Was wirklich zählt!“-Wertekarten: 80 Karten in neun farbcodierten Kategorien, in fünf Sprachen, auf metafox.eu.

Der Schwartz-Wertekreis: neun Wertekategorien in einem farbigen Ring, gruppiert in vier übergeordnete Dimensionen
Benachbarte Kategorien teilen eine Motivation. Kategorien, die sich im Kreis gegenüberliegen, wirken gegeneinander.

Warum ein Kreis und keine Liste

Weil jedes Handeln nach einem Wert Folgen hat, die zu manchen Werten passen und mit anderen kollidieren.

Wer nach Erfolg strebt, bremst damit meist die Fürsorge: Die Stunden, in denen du deine Kompetenz beweist, fehlen dir für die Menschen, die dir nahestehen. Dasselbe Streben nach Erfolg stärkt die Macht, weil es bei beiden um Ansehen geht. Die Suche nach Neuem untergräbt das Hergebrachte. Nichts davon ist ein moralisches Urteil. Es ist das, was die Handlungen selbst bewirken.

Die Geometrie hat also eine Bedeutung. Nähe im Kreis heißt ähnliche Motivation, Abstand heißt Gegensatz. Es lohnt sich, in der Session laut auszusprechen, was benachbarte Werte verbindet, weil es erklärt, warum eine Werteliste so aussieht, wie sie aussieht:

  • Macht und Erfolg beruhen beide auf sozialer Überlegenheit und Anerkennung.
  • Stimulation und Selbstbestimmung beruhen beide auf einem inneren Interesse an Neuem und an Meisterschaft.
  • Konformität und Tradition beruhen beide darauf, das eigene Ich hinter das zurückzustellen, was sozial erwartet wird.

Und der Satz, der die meisten Klienten entlastet: Menschen können sehr wohl gegensätzliche Werte verfolgen. Nur nicht in derselben Handlung. Sie tun es mit verschiedenen Handlungen, zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Situationen.

Gegensätzliche Werte sind kein Problem, das gelöst werden muss

Liegen zwei Werte deines Klienten im Kreis einander gegenüber, sind ihm beide wichtig, und sie können in verschiedene Richtungen ziehen. Das ist normal, und es lohnt sich, genauer hinzusehen. Benenne das Paar; lös es nicht auf.

Eine zweite Lesart desselben Kreises

Zwei Schnitte durch den Kreis, über die kaum jemand schreibt. Beide sind in der Session nützlich.

Persönlicher gegen sozialen Fokus. Macht, Erfolg, Hedonismus, Stimulation und Selbstbestimmung regeln persönliche Interessen. Fürsorge, Universalismus, Tradition, Konformität und Sicherheit regeln, wie jemand zu anderen steht. Sicherheit und Universalismus liegen auf der Grenze zwischen beiden.

Selbstschutz gegen Wachstum. Konformität, Tradition, Sicherheit und Macht sind Wege, mit Angst umzugehen. Hedonismus, Stimulation, Selbstbestimmung, Universalismus und Fürsorge sind angstfreie Wachstumswerte. Erfolg erfüllt beide Funktionen.

Der zweite Schnitt verändert das Gespräch. Liegen die Top drei stark in der Bewahrung, macht es einen großen Unterschied, ob du das als „dieser Mensch schützt etwas“ liest oder als „dieser Mensch ist konservativ“. Frag also, was geschützt wird.

Ein Ergebnis mit dem Durchschnitt vergleichen

Über Gesellschaften hinweg ist die durchschnittliche Rangfolge bemerkenswert stabil: Fürsorge, Universalismus und Selbstbestimmung weit oben, Macht und Stimulation weit unten. Das gibt dir einen Bezugspunkt, und es ist der am wenigsten genutzte Teil des Modells.

1

Frag, was überrascht hat

Der Abstand zwischen der Reihenfolge, die jemand erwartet hat, und der, die herausgekommen ist, ist das Material. Fang dort an, nicht bei der Liste selbst.

2

Such das Paar, das sich im Kreis gegenüberliegt

Benenne es und lass es stehen. Ein Klient, der seine eigene Spannung beschreiben kann, hat mehr gewonnen als einer, dem du sie aufgelöst hast.

3

Frag nach einer Entscheidung, bei der beide im Spiel waren

Werte werden erst an einer Weggabelung bewusst. Also such die Gabelung: eine echte Entscheidung, nicht lange her, bei der beide Werte etwas zu sagen hatten.

4

Schau auf die Nachbarn, nicht nur auf die Gegenüber

Zwei benachbarte Top-Werte zeigen dir, woraus die Motivation dieses Menschen besteht. Selbstbestimmung neben Stimulation ist ein anderer Mensch als Selbstbestimmung neben Universalismus.

Bestehen die Top drei vor allem aus Fürsorge und Universalismus, liegt das nah am menschlichen Durchschnitt: interessant, aber noch nicht auffällig. Macht auf Platz eins oder Fürsorge auf dem letzten Platz ist auffällig und eine Frage wert. Schwartz erklärt den Durchschnitt mit Anpassung, nicht mit Moral: Gesellschaften drängen die Werte zurück, die das Zusammenleben in der Gruppe schwerer machen. Eine Bestenliste guter Menschen ist das nicht.

Was das Modell dir nicht sagt

Der Kreis beschreibt, wie sich die Bezeichnungen der Werte im Durchschnitt über sehr viele Menschen hinweg zueinander verhalten. Darüber, was dieser Klient mit „Freiheit“ meint, sagt er gar nichts. Deshalb lässt eine gute Werteübung jeden Wert in eigenen Worten neu formulieren, und deshalb gibt es den begleitenden Guide zur Akzeptanz- und Commitment-Therapie.

Benachbarte Werte überschneiden sich und teilen sich Items im Fragebogen. Das folgt aus dem Kontinuum und ist kein Zeichen schlampiger Arbeit. Schwartz' eigene Verfeinerung von 2012 in 19 feinere Werte gibt es unter anderem deshalb. Diese Verfeinerung wurde vor allem mit gut gebildeten Befragten in Ländern mit höherem Einkommen getestet, und ihre bessere Vorhersagekraft wurde für Einstellungen und Überzeugungen gezeigt, nicht für Verhalten.

Es ist auch nicht die einzige Theorie auf diesem Gebiet. Gouveia und Kollegen schlagen eine konkurrierende funktionale Theorie menschlicher Werte vor, und Schwartz hat darauf schriftlich geantwortet. Beides findest du unten.

Und das Wichtigste: Die 82 Länder bestätigen die Struktur, nicht das Ergebnis deines Klienten. Eine Kartensortierung ist ein Gespräch, kein psychometrischer Messwert. Sag das deinem Klienten, bevor er seine eigene Liste als Urteil nimmt.

Wo dir das bei metaFox begegnet

Die Werte Discovery in fünf Minuten: Tobi von metaFox zeigt die Analyse aus Sicht deines Klienten und danach den Report mit den neun Wertefamilien auf dem Wertekreis und den Debrief auf dem Whiteboard.
  • Werte Discovery: Dein Klient wählt allein aus denselben 80 Karten, beschreibt seine Werte in eigenen Worten und bringt sie in eine Rangfolge. Der Report legt die Liste auf den Kreis der neun Wertefamilien und nennt bis zu drei mögliche Wertekonflikte über den Kreis hinweg: Werte Discovery.
  • Die Wertekarten (cc-VAL): 80 gedruckte Karten in den neun Kategorien, mit Werterad (Values Wheel) und Values Grid zum Auslegen: metafox.eu.
  • Der Werte-Kompass (Values Compass) (cs-VAL): eine laminierte A4-Übersicht auf Englisch und Deutsch, geordnet nach den vier übergeordneten Dimensionen, zu jedem Wert mit einer Beschreibung „Ist das mein Wert?“ und verwandten Fähigkeiten: metafox.eu.
  • In der App laufen die Wertekarten über das Wortkarten-Tool auf dem Whiteboard. Mehr dazu im Wertekarten-Guide.

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