Wertekarten
Klarheit darüber, was wirklich zählt — 80 forschungsbasierte Karten in neun Wertekategorien nach Schwartz.
Quick Facts
- 80 Wertekarten in neun Motivationskategorien, basierend auf Schwartz' Theorie grundlegender menschlicher Werte (validiert in 82 Ländern).
- Kartenaufbau: WERT in Großbuchstaben, ein Icon, eine Definition und eine Kategoriefarbe zum schnellen Erkennen von Mustern.
- Werte sind dauerhaft, global und erwünscht — das WIE („liebevoll sein“), nicht das WAS („heiraten“).
- Session-Ablauf: auswählen, was resoniert → in realen Situationen erkunden → Top 3–5 priorisieren → Handeln ausrichten.
- Gegensätzliche Top-Werte (Sicherheit vs. Abenteuer) markieren oft das Kerndilemma — Spannung ist wertvolle Information.
So nutzt du das Tool
Werte sortieren, gewichten und besprechen — alles auf einem gemeinsamen Board:
- Wertekarten-Tool öffnen. Wenn die Frage auftaucht, was wirklich zählt, öffne die Wertekarten über das Wortkarten-Tool. Alle 80 forschungsbasierten Wertekarten stehen sofort bereit, organisiert nach Schwartz' Wertekategorien.
- Klient stöbert und wählt Werte. Dein Klient durchstöbert alle 80 Karten in eigenem Tempo — nach Kategorie gefiltert oder alle auf einmal. Beachte, welche Karten sofortige Reaktionen auslösen, positiv wie negativ; diese Reaktionen sind wertvolle Daten. Werte, die resonieren, werden per Klick ausgewählt und hervorgehoben.
- Werte-Ranking begleiten. Ausgewählte Karten erscheinen auf eurem gemeinsamen Whiteboard. Begleite deinen Klienten zu seinen Top 3–5: Das Gruppieren ähnlicher Werte macht Muster sichtbar, und die räumliche Anordnung kann zur visuellen Hierarchie werden — die wichtigsten Werte in der Mitte. Überstürze die schweren Entscheidungen nicht: Gerade die Schwierigkeit, zwischen „Freiheit“ und „Sicherheit“ zu wählen, zeigt oft die wichtigen inneren Spannungen.
- Werte mit dem echten Leben verbinden. Die eigentliche Arbeit beginnt, wenn abstrakte Werte auf den Alltag treffen. Nutze Annotations-Tools, um zu erkunden, wo jeder Wert im Leben deines Klienten auftaucht — und wo er fehlt. Die Kluft zwischen ausgesprochenen Werten und gelebter Realität wird sichtbar und bearbeitbar.
Starke Leitfragen für jede Phase: zum Einstieg — „Welche dieser Werte lassen dich denken ‚Ja, das bin ich' — und welche sind ein klares ‚Nein'?“; zur Vertiefung — „Erzähl mir von einer kürzlichen Entscheidung, bei der dieser Wert eine Rolle spielte.“; zur Priorisierung — „Wenn du nur einen dieser Werte bei deiner nächsten großen Entscheidung ehren könntest, welcher wäre es?“ Und denk daran: Wertearbeit ist nie beendet. Was mit 25 zählte, kann sich mit 45 unterscheiden — regelmäßige Werte-Check-ins helfen Klienten, mit dem im Einklang zu bleiben, wer sie werden.
Die neun Wertekategorien
Schwartz entdeckte, dass menschliche Werte nicht zufällig sind: Sie bilden eine zirkuläre Struktur, in der benachbarte Werte kompatibel sind und gegenüberliegende Werte im Konflikt stehen — organisiert entlang zweier Achsen: Offenheit für Neues ↔ Bewahrung und Transzendenz ↔ Selbsterweiterung. Die 80 Karten tragen eine Kategoriefarbe, sodass diese Muster auf dem Board sichtbar werden.
- OFFENHEIT FÜR NEUES — Stimulation (Neues, Aufregung, sinnliches Erleben) und Selbstbestimmung (Autonomie, eigenes Handeln, Freiheit zu erkunden). Beide teilen Orangetöne, unterscheiden sich aber: Stimulation lebt von Aufregung, Selbstbestimmung von Freiheit und Authentizität.
- TRANSZENDENZ — Universalismus (der Blick aufs große Ganze und das Gemeinwohl: Fairness, Gleichberechtigung, Natur) und Fürsorge (Zugewandtheit, Freundlichkeit, tragfähige Beziehungen, Empathie und Mitgefühl).
- SELBSTERWEITERUNG — Vergnügen (Freude, Genuss, das Leben auskosten), Erfolg (der Antrieb, Ziele zu erreichen und wirksam zu sein) und Macht (Einfluss, Führung, soziales Ansehen).
- BEWAHRUNG — Sicherheit (Stabilität, Kontinuität und Schutz, persönlich wie gesellschaftlich) und Konformität (sozialer Zusammenhalt und das Einhalten gemeinsamer Regeln und Traditionen).
Wählt ein Klient überwiegend Werte von einer Seite des Kreises, offenbart das etwas. Liegen seine Top-Werte auf gegenüberliegenden Seiten, könnte genau diese innere Spannung der Grund sein, der ihn ins Coaching geführt hat.
Psychologischer Hintergrund
Werte lassen sich durch drei Eigenschaften charakterisieren: Sie sind dauerhaft (sie beschreiben, wie wir uns langfristig und beständig verhalten), global (sie stehen für das WIE — Fairness beim Fußball — nicht für das WAS, das Interesse am Fußball selbst) und erwünscht (sie beschreiben, wie wir uns verhalten wollen; wir wählen unsere Werte). Es gibt kein universelles Richtig oder Falsch — jeder Mensch trägt eine einzigartige Mischung, deren Gewichtung sich mit der Situation verschieben kann.
Nach Shalom Schwartz' Theorie grundlegender menschlicher Werte erfüllen Werte drei Rollen im menschlichen Leben: Sie adressieren die Bedürfnisse des Einzelnen (und leiten Entscheidungen, die Erfüllung und Sinn bringen), sie sind essenziell für das Miteinander (als Rahmen für Kooperation, Empathie und gemeinsamen Boden), und sie sichern das Überleben und die Sicherheit von Gruppen (geteilte Werte tragen Entscheidungen, Normen und Zugehörigkeit). Die Theorie wurde in 82 Ländern mit mehr als 60.000 Teilnehmenden validiert — eines der robustesten Frameworks der kulturübergreifenden Psychologie.
Fürs Coaching ist besonders die Unterscheidung zwischen einem zielgetriebenen und einem wertefokussierten Leben nützlich. Ziele liegen in der Zukunft und lassen sich abhaken („heiraten“); Werte sind immer im Hier und Jetzt verfügbar („liebevoll sein“) — wir können nach ihnen handeln oder sie vernachlässigen, aber nie abschließen. Ziele geben Klienten etwas, worauf sie hinarbeiten; Werte halten sie geerdet und machen den Weg selbst bedeutsam. Tiefe Reflexion über Kernwerte schafft die Grundlage, um Ziele zu setzen, die widerspiegeln, wer der Klient wirklich ist.