Stärkenkarten
Charakterstärken entdecken und entwickeln — 52 Karten in drei Lebensbereichen, fundiert in der Positiven Psychologie.
Quick Facts
- 52 Charakterstärken-Karten in drei farblich kodierten Lebensbereichen: Individuell (16), Beziehung (18), Praktisch (18).
- Kartenaufbau: STÄRKE in Großbuchstaben plus Icon — inspiriert von Peterson & Seligmans „Character Strengths and Virtues“.
- Linleys Triade pro Stärke: Leistung (Bin ich darin erfolgreich?), Nutzung (Wie oft?), Energie (Gibt sie mir Energie oder kostet sie Kraft?).
- Session-Ablauf: 5–7 wählen, die resonieren → entlang der Triade bewerten → sortieren in realisiert / unrealisiert / erlerntes Verhalten → aufdrehen.
- Erlerntes Verhalten sieht aus wie eine Stärke, kostet aber auf Dauer Kraft — es zu erkennen verhindert Erschöpfung, die sich als Kompetenz tarnt.
So nutzt du das Tool
Dein Klient wählt die Stärken, die resonieren — und ihr verankert sie gemeinsam auf dem Board:
- Stärkenkarten-Tool öffnen. Für stärkenbasierte Arbeit öffne die Stärkenkarten über das Wortkarten-Tool. Alle 52 Charakterstärken-Karten stehen sofort bereit, organisiert nach den drei Kategorien: Individuelle, Beziehungs- und Praktische Stärken.
- Klient stöbert und wählt Stärken. Dein Klient durchstöbert alle 52 Karten in eigenem Tempo — nach Kategorie gefiltert oder alle auf einmal. Mit Karten zu arbeiten ist deutlich einfacher, als Stärken aus dem Gedächtnis abzurufen. Beachte, welche Karten sofortige Wiedererkennung auslösen — das sind wahrscheinlich Signaturstärken. Ein guter Einstieg: „Schau dir diese 52 Stärken an und wähle 5–7, die dich wirklich beschreiben. Vertrau deinem Bauchgefühl.“
- Stärken-Exploration begleiten. Ausgewählte Karten erscheinen auf eurem gemeinsamen Whiteboard. Clustert sie nach Kategorie zu einem visuellen Stärkenprofil und bewertet dann jede Stärke entlang Linleys Triade: „Gibt dir die Nutzung Energie oder kostet sie dich Kraft? Wie oft nutzt du sie tatsächlich?“ So sortiert sich das Profil in realisierte Stärken, unrealisierte Stärken und erlerntes Verhalten.
- Stärken in Aktion bringen. Stärken zählen erst dort, wo der Alltag sie fordert. Nutze Annotations-Tools, um zu erkunden, wo jede Stärke in der Arbeit und den Beziehungen deines Klienten auftaucht — und wo ungenutztes Potenzial liegt. Frag: „Welche dieser Stärken möchtest du am liebsten aufdrehen? Welche Aktivitäten oder Situationen würden dir das ermöglichen?“ Vereinbart kleine Experimente für diese Woche.
Für Teams macht die Übung „Stronger Us“ aus dem Kartenset ein Wertschätzungsritual: Jede Person wählt eine Karte für die Stärke, die sie beim Teammitglied zu ihrer Rechten beobachtet, und präsentiert sie mit Wertschätzung — anschließend richtet die Gruppe die individuellen Stärken auf die Teamziele aus.
Die drei Kategorien
Die 52 Stärken sind in drei Lebensbereiche organisiert, jeweils farblich kodiert für schnelle Orientierung in der Session:
- INDIVIDUELLE STÄRKEN — bei dir selbst sein (16 Karten). Sie formen unseren inneren Zustand und unsere Sicht auf das Leben; wir nutzen sie auch, wenn wir ganz allein sind. Selbstbewusst, Spirituell, Fröhlich, Mutig, Weise, Begeistert, Verspielt, Wertschätzend, Optimistisch, Resilient, Geduldig, Energetisch, Selbstregulierend, Bescheiden, Aufgeschlossen, Gelassen.
- BEZIEHUNGSSTÄRKEN — mit anderen in Verbindung (18 Karten). Wir nutzen sie in der Interaktion mit anderen Menschen und um zwischenmenschliche Verbindungen aufzubauen. Vertrauend, Charismatisch, Aufrichtig, Rücksichtsvoll, Kooperativ, Fair, Aktiv zuhörend, Hilfsbereit, Großzügig, Mitfühlend, Freundlich, Taktvoll, Empathisch, Loyal, Vergebend, Zugänglich, Zuverlässig, Verantwortungsvoll.
- PRAKTISCHE STÄRKEN — mit der Welt interagieren (18 Karten). Wir nutzen sie, wenn wir ein Problem angehen oder unsere Arbeit erledigen. Visionär, Fleißig, Proaktiv, Vielseitig, Motiviert, Unabhängig, Umsichtig, Fokussiert, Effizient, Intuitiv, Flexibel, Entscheidungsfreudig, Neugierig, Kreativ, Objektiv, Ausdauernd, Analytisch, Pragmatisch.
Psychologischer Hintergrund
Die Karten bauen auf den Charakterstärken der Positiven Psychologie auf, geprägt von Peterson und Seligmans Character Strengths and Virtues: Eigenschaften, die einen wesentlichen Teil unserer Persönlichkeit ausmachen — universelle Qualitäten wie Neugier, Empathie und Mut. Anders als Talente (musikalisches Verständnis) oder Kompetenzen (Projektmanagement), die situativ sind, ziehen sich Charakterstärken durch alles, was wir tun. Die Kombination ist bei jedem Menschen einzigartig wie ein Fingerabdruck, und Stärken liegen auf einem Spektrum von weniger ausgeprägten Stärken bis zu Signaturstärken — den 3–7 Qualitäten, die sich als Kern der eigenen Identität anfühlen.
Charakterstärken sind tief verwurzelt, aber nicht statisch: Wie Muskeln wachsen sie durch gezieltes Üben, Anwendung in verschiedenen Kontexten und Feedback von anderen. Das ist wichtig, weil Kultur und Bildung uns antrainieren, Defizite zu beheben — „gut abgerundet“ zu werden —, statt auf dem aufzubauen, was bereits funktioniert. Die Positive Psychologie zeigt, dass sich das Gegenteil auszahlt: Ein Stärkenfokus verbessert Leistung und Wohlbefinden, und der Einsatz von Signaturstärken ist der verlässlichste Weg in den Flow — jenen Zustand tiefer Konzentration, in dem die Zeit verfliegt.
Alex Linley machte Stärken fürs Coaching greifbar, indem er jede entlang von Leistung (Bin ich darin erfolgreich?), Nutzung (Wie viel nutze ich das?) und Energie (Gibt es mir Energie oder kostet es Kraft?) einordnet. Daraus ergeben sich vier Coaching-Kategorien: realisierte Stärken (oft genutzt, energiespendend — noch mehr einsetzen), unrealisierte Stärken (energiespendend, aber selten genutzt — Aktivitäten finden, um sie anzuwenden), erlerntes Verhalten (oft und vielleicht sogar gut gemacht, aber kräftezehrend — prüfen, ob echte Stärken es ersetzen können, oder delegieren) und Schwächen (mühsam und auslaugend — lieber „mit Stolz delegieren“ statt dagegen ankämpfen).
Und schließlich: Jede Stärke kann über- wie unternutzt werden. Ein hochkreativer Mensch in einem starren, bürokratischen Job spürt, wie die Stärke brachliegt — Frustration und Demotivation folgen. Selbstbewusstsein, zu starr eingesetzt, wirkt schnell arrogant und erzeugt Reibung mit anderen. Das Coaching-Ziel ist die goldene Mitte: der bewusste, achtsame Einsatz einer Stärke — dosiert auf die Situation, nicht ins Extrem.