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Gefühlskarten

Gib Klienten Worte für das, was innerlich los ist — 60 Gefühlskarten, farbkodiert nach Energielevel.

Quick Facts

  • 60 Gefühlskarten: 30 angenehme und 30 unangenehme Emotionen, ausgewählt für den Coaching-Alltag.
  • Kartenaufbau: Emotionswort plus Icon, farbkodiert nach Energielevel — warme Farben für hohe Aktivierung, kühle für niedrige.
  • Angenehme Emotionen signalisieren erfüllte Bedürfnisse, unangenehme unerfüllte. Botschafter, keine Probleme.
  • Session-Ablauf: Check-in-Frage → Klient wählt, was resoniert → Auslöser und Körperempfindungen erkunden → mit Bedürfnissen und Handlung verbinden.
  • „Name it to tame it“: Eine Emotion präzise zu benennen beruhigt die Amygdala und macht klares Denken wieder möglich.

So nutzt du das Tool

Die Gefühlskarten geben deinem Klienten Worte für das, was innerlich los ist — direkt auf dem gemeinsamen Board:

  1. Gefühlskarten-Tool öffnen. Wenn Emotionen der Zugang zum Thema sind, öffne die Gefühlskarten über das Wortkarten-Tool. Alle 60 Gefühlskarten stehen sofort bereit, geordnet nach angenehmen und unangenehmen Gefühlen.
  2. Klient wählt Gefühlskarten. Dein Klient durchstöbert alle 60 Karten in eigenem Tempo; eine Check-in-Frage wie „Welche Karten beschreiben, wie du dich gerade fühlst?“ fokussiert die Suche. Die Farbkodierung nach Energielevel hilft bei der Orientierung — warme Farben für hohe Aktivierung, kühle für niedrige. Passende Emotionen werden per Klick ausgewählt.
  3. Emotionale Erkundung begleiten. Ausgewählte Karten erscheinen auf eurem gemeinsamen Whiteboard. Erforscht jede Emotion gemeinsam: Was hat sie ausgelöst? Wo zeigt sie sich im Körper? Das Gruppieren von Emotionen kann Muster aufdecken — mehrere unangenehme Emotionen weisen oft auf dasselbe unerfüllte Bedürfnis hin.
  4. Emotionen mit Handlung verbinden. Ein Gefühl zu benennen ist der Anfang — danach zählt, was daraus folgt. Nutze Annotations-Tools, um zu erforschen, was jede Emotion kommuniziert und welche Handlung sie einfordert. Der Unterschied zwischen dem, wie sich dein Klient fühlt und wie er sich fühlen möchte, wird sichtbar und bearbeitbar.

In Gruppen sind die Karten ein kraftvoller Check-in: Jede Person wählt ein bis zwei Karten, die beschreiben, wie sie heute ankommt, und teilt kurz, warum — das schafft psychologische Sicherheit und emotionale Präsenz von der ersten Minute an.

So sind die 60 Karten organisiert

Das Set teilt sich in zwei Hälften, die jeweils das Energiespektrum von hoher zu niedriger Aktivierung durchlaufen:

  • ANGENEHME EMOTIONEN (30) — von Hoher Energie (Begeisterung, Freude, Stolz, Inspiriert) über Warme Verbindung (Liebe, Glück, Hoffnung) und Offene Haltung (Neugierig, Entschlossen, Selbstvertrauen, Mut) bis zu Innerem Frieden (Dankbarkeit, Ruhe, Entspannt, Friedlich).
  • UNANGENEHME EMOTIONEN (30) — von Hoher Aktivierung (Schock, Wut, Aufgebracht) über Innere Anspannung (Angst, Stress, Frustration, Enttäuschung) und Sozialen Rückzug (Scham, Schuld, Einsamkeit, Traurigkeit) bis zu Niedriger Energie (Verzweiflung, Gleichgültigkeit, Langeweile, Machtlosigkeit).

Die Liste ist bewusst nicht vollständig — sie deckt die Emotionen ab, die im Coaching-Alltag am wichtigsten sind, und Klienten können jederzeit weitere benennen. Das Farbsystem lässt deinen Klienten schnell erkennen, wo er sich auf dem emotionalen Spektrum befindet — noch bevor er das Wort hat.

Psychologischer Hintergrund

Die Karten basieren auf Daniel Golemans Modell der emotionalen Intelligenz, das vier Bereiche unterscheidet: Selbstwahrnehmung (eigene Emotionen erkennen), Selbstmanagement (effektiv mit ihnen umgehen), soziale Wahrnehmung (Emotionen anderer lesen) und Beziehungsmanagement (emotionales Verständnis für starke Verbindungen nutzen). Das Set unterstützt Arbeit in allen vier Bereichen — vom Benennen der Gefühle und Beobachten des Selbstgesprächs über aktives Zuhören bis zum Kommunizieren der Bedürfnisse hinter einer Emotion.

Warum ist das Benennen so wichtig? Die Forschung der Psychologin Lisa Feldman Barrett zeigt: Menschen, die feine Unterschiede zwischen ihren Emotionen machen — sie nennt das emotionale Granularität —, bewältigen schwierige Situationen besser, bauen stärkere Beziehungen auf und erleben mehr Wohlbefinden. Der Wechsel von „Mir geht's schlecht“ zu „Ich fühle mich einsam“ ist nicht nur ein sprachliches Upgrade: Der präfrontale Kortex aktiviert sich, die Amygdala beruhigt sich, und dein Klient wechselt vom Überflutetsein zum klaren Denken. Der Neurowissenschaftler Matthew Lieberman nennt das „Name it to tame it“ — benenne es, um es zu zähmen. Und Präzision macht Themen bearbeitbar: „Enttäuscht“ zeigt eine Lücke zwischen Erwartung und Realität, „Verbittert“ eine überschrittene Grenze, „Einsam“ ein unerfülltes Bedürfnis nach Verbindung, „Ängstlich“ etwas Unvorhersehbares, das nach neuer Handlungsfähigkeit ruft.

Die Farbkodierung folgt der dimensionalen Sicht auf Emotionen (Russells Circumplex-Modell): Jede Emotion lässt sich über ihre Valenz (angenehm–unangenehm) und ihre Aktivierung (hoch–niedrig) verorten. Bewusst sprechen die Karten von „angenehm“ und „unangenehm“ statt von „gut“ und „schlecht“ — angenehme Emotionen signalisieren, dass Bedürfnisse erfüllt werden, unangenehme, dass Bedürfnisse offen sind. Als Daten statt als Hindernisse behandelt, verwandeln Emotionen das Gespräch von „Wie werde ich dieses Gefühl los?“ in „Was sagt mir dieses Gefühl darüber, was ich brauche?“