Glaubenssatzkarten
Limitierende Glaubenssätze erkennen und verändern — 60 Karten in fünf von der Schematherapie inspirierten Domänen.
Quick Facts
- 60 Karten in fünf von der Schematherapie inspirierten Domänen — jede Karte benennt einen verinnerlichten Glaubenssatz.
- Kartenaufbau: DOMÄNE in Großbuchstaben, ein Icon, der Glaubenssatz und eine Domänenfarbe zum schnellen Sortieren.
- Limitierende Glaubenssätze entstehen früh als Schutz und laufen später als automatische Denkmuster weiter.
- Session-Ablauf: vertraute Glaubenssätze sichtbar machen → nach Intensität sortieren → hinterfragen → reframen.
- Reframing-Wege: Flip the Script, Rollen tauschen, nach innen wenden — oder Needs-First (GFK).
So nutzt du das Tool
Einen Glaubenssatz sichtbar machen, untersuchen und reframen — alles auf einem gemeinsamen Board:
- Glaubenssatzkarten-Tool öffnen. Wenn du spürst, dass Glaubenssätze den Kern des Themas deines Klienten berühren, öffne die Glaubenssatzkarten über das Wortkarten-Tool. Alle 60 Glaubenssatzkarten stehen sofort bereit, organisiert nach den fünf emotionalen Domänen.
- Klient wählt Glaubenssätze. Dein Klient durchstöbert alle 60 Karten in eigenem Tempo — nach Domäne gefiltert oder alle auf einmal. Glaubenssätze, die resonieren, werden per Klick ausgewählt und hervorgehoben.
- Reflexion begleiten. Ausgewählte Karten erscheinen auf eurem gemeinsamen Whiteboard. Begleite deinen Klienten beim Sortieren nach Intensität und Relevanz — das Gruppieren nach Domäne kann Muster aufdecken, und die räumliche Anordnung zeigt, welche Glaubenssätze am tiefsten verwurzelt sind.
- Das Reframing begleiten. Ein Glaubenssatz beginnt sich zu lösen, sobald er auf eine andere Perspektive trifft. Nutze Annotations-Tools, um jeden Glaubenssatz zu erkunden: Woher kommt er? Welches Bedürfnis schützt er? Was könnte ebenso wahr sein? Hilf deinem Klienten, neue, unterstützendere Narrative direkt auf dem Whiteboard zu formulieren.
Für einen vollständigen Coaching-Bogen über mehrere Sitzungen arbeitest du in drei Phasen: Erkennen & Bewusstmachen (in die Stapel „Tief empfunden", „Etwas vertraut" und „Nicht sicher" sortieren, dann auf die persönlichen Top 3 eingrenzen), Hinterfragen & Relativieren (die Gültigkeit mit gezielten Fragen prüfen — ist das ein Fakt oder ein Gefühl, woher stammt er, hat er sich schon einmal als falsch erwiesen?) und Transformieren & Verankern (eine kurze, glaubwürdige neue Formulierung finden — nicht das genaue Gegenteil —, Gegenargumente sammeln, laut aussprechen und im Alltag üben).
Die fünf Domänen
Die 60 Karten sind in fünf Domänen gruppiert, die jeweils ein emotionales Kernthema repräsentieren, das in unerfüllten Bedürfnissen wurzelt. Die Struktur ist von der Schematherapie inspiriert, die erforscht, wie frühe Lebenserfahrungen tiefe, wiederkehrende Glaubensmuster formen.
- NICHT GESEHEN WERDEN — Glaubenssätze, die oft in Beziehungen entstehen, in denen emotionale Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Klienten kämpfen möglicherweise damit, sich der Liebe würdig zu fühlen, oder erwarten, verlassen, verurteilt oder übersehen zu werden.
- AN MIR SELBST ZWEIFELN — Glaubenssätze aus Umgebungen, in denen Unabhängigkeit entmutigt oder kritisiert wurde. Klienten zweifeln möglicherweise an ihrer Fähigkeit, zurechtzukommen, Entscheidungen zu treffen oder eigenständig Erfolg zu haben.
- KRITISIERENDE GEDANKEN — Glaubenssätze rund um den inneren Kritiker, entstanden dort, wo Emotionen heruntergespielt und Fehler hart beurteilt wurden. Klienten unterdrücken möglicherweise Spontanität, Verletzlichkeit oder Freude, um sich sicher zu fühlen.
- AUSNAHMEN FORDERN — Glaubenssätze aus frühen Umgebungen, in denen Regeln unklar, Konsequenzen inkonsistent oder Nachgiebigkeit häufig waren. Klienten fällt es möglicherweise schwer, Impulse zu steuern oder Grenzen zu respektieren.
- ANDEREN GEFALLEN — Glaubenssätze aus Umgebungen, in denen Liebe oder Anerkennung verdient statt frei gegeben wurde. Klienten glauben möglicherweise, dass ihr Wert davon abhängt, die Bedürfnisse anderer zu erfüllen oder Konflikte zu vermeiden.
Psychologischer Hintergrund
Glaubenssätze sind die Kernideen, die wir als wahr akzeptiert haben — geformt über ein ganzes Leben durch unser Umfeld und unsere Beziehungen. Limitierende Glaubenssätze entstehen oft früh als adaptive Schutzreaktionen und laufen dann als automatische Denkmuster weiter, die Wahrnehmung und Verhalten bis ins Erwachsenenalter prägen — häufig, ohne dass wir es bemerken.
Das Eisbergmodell erklärt, warum sie so schwer zu greifen sind: Nur unser Verhalten ist an der Oberfläche sichtbar. Darunter liegen Gedanken, Emotionen und unerfüllte Bedürfnisse. Noch tiefer sind die Glaubenssätze und frühen Erfahrungen, die alles darüber antreiben. Diese verborgenen Schichten zu erkunden legt die Wurzeln der Muster deines Klienten frei.
Glaubenssätze sind tief verwurzelt, aber keine Fakten — sie sind subjektive Interpretationen, und je öfter ein Gedanke wiederholt wird, desto mehr glauben wir ihm. Genau darin liegt die gute Nachricht: Einen Glaubenssatz ans Licht zu bringen erlaubt deinem Klienten zu hinterfragen, ob er noch widerspiegelt, wer er heute ist — und ihn in eine stärkende Überzeugung umzuformen, die zu aktuellen Bedürfnissen, Werten und Zielen passt.
Wenn ein Glaubenssatz direktem Hinterfragen widersteht, öffnet ihn oft ein Needs-First-Ansatz (inspiriert von der Gewaltfreien Kommunikation): das unerfüllte Bedürfnis unter dem Glaubenssatz aufdecken und ihn als bedürfnisbasierte Wahrheit statt als Urteil neu formulieren — zum Beispiel wird aus „Harmonie ist wichtiger als Konflikt": „Ich darf für mich und andere einstehen, damit es gerechter zugeht."